Geschichte des Martinshauses

Gasthaus “Kanalblick”
Die wechselvolle Geschichte des heutigen Martinshauses begann 1907, als der Rendsburger Gastwirt Wilhelm Lücke sich entschloss, das Gasthaus "Kanalblick" von der Baufirma Wieben errichten zu lassen, um den "Marinern" eines künftigen Torpedoboothafens in Rendsburg die Abende vergnüglicher zu gestalten. Die Hafenpläne zerschlugen sich, das Haus blieb.
Sanatorium und Volkshochschule
1913 erwarb der "Heilkundige" Johann Schumacher aus Westerrönfeld das Haus und richtete dort ein Privatsanatorium ein. Im Jahre 1921 - der Kaiser hatte abgedankt, in Deutschland die Weimarer Republik - erwarb der Kreis Rendsburg das Gebäude und gründete die Volkshochschule Rendsburg. Im Oktober 1921 nahm sie die Arbeit auf.
Gauführerschule und Kriegslazarett
1933 musste das von Landrat Steltzer und Pastor Tonnesens so tatkräftig geförderte Institut Platz und Räume aufgeben. Die neuen Machthaber beanspruchten das Gebäude für sich. Der Reichsarbeitsdienst richtete eine Gauführerschule ein. Sechs Jahre später waren die braunen Lehrinhalte Geschichte. Das "weiße Haus am Kanal" diente bis 1945 als Reserve-Kriegslazarett.



Internat für Flüchtlingskinder
1946 wehte ein anderer Wind durch die Räumlichkeiten. Die Ev. Luth. Landeskirche pachtete vom Kreis das Gebäude. Ein Jahr später erhielt das vor zwei Jahren gegründete Ev. Hilfswerk seine Zentrale für Schleswig-Holstein im Haus am Kanal, das 1948 bereits unter dem Namen "Martinshaus" bekannt war.
Es galt, die Not von Hunderttausenden von Flüchtlingen zu lindern. Das Hilfswerk handelte. Ab 1945 wurde das Martinshaus Oberschulinternat für Flüchtlingskinder aus dem Osten. Die schwedische Gräfin Hamilton stiftete drei sogenannte "Schwedenhäuser" aus Holz für Internatszöglinge. 1984 wurden diese Häuser durch einen Brand zerstört. Der anschließende Neubau heißt in Erinnerung an die Gönnerin ebenfalls Schwedenhaus.
Fortbildungs- und Tagungszentrum
1971 kaufte das Hilfswerk das Haus vom Kreis am Kanal für 850.000 Mark. Damit hatte das Diakonische Werk der Landeskirche für seine Geschäftsführung, seine Fortbildungsarbeit und für seine Tagungen ein endgültiges Zuhause gefunden. Seit 1951 in einer Gemeinschaft des Dienstes verbunden, seit 1976 rechtsgültig in Form eines eingetragenen Vereins und als einer der sechs Verbände der freien Wohlfahrtspflege anerkannt.
1977 wurde die Nordelbische Ev.-Lutherische Kirche aus den bisherigen Landeskirchen in Schleswig-Holstein und Hamburg gegründet. Seither ist die Diakonie in den rechtlich selbständigen Diakonischen Werken Schleswig-Holstein und Hamburg geordnet.
1993 verselbständigt sich das Diakonie-Hilfswerk, so dass das Diakonische Werk Schleswig-Holstein seitdem die Aufgabe eines Spitzenverbandes der freien Wohlfahrtspflege wahrnimmt.
In den Jahren 2016 - 2019 fanden diverse Sanierungsmaßnahmen in den Bereichen der Hotelzimmer, der Seminarräume und des Empfangs statt, um für die Anforderungen eines modernen Tagungszentrums der Zukunft vorbereitet zu sein. Trotz vieler Um- und Anbauten ist der "Grundcharakter" des "weißen Hauses am Kanal" bis heute erhalten geblieben.
